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100 Jahre Modefotografie im C/O Berlin

Die Art, wie Mode in Magazinen & Illustrierten dargestellt wird, spiegelt auch immer die Gesellschaft & ihre Themen. In einer Schau über die letzten 100 Jahre Modefotografie zeigt das C/O Berlin eine Retrospektive der größten Meister, die am Erfolg von Vogue & Co. maßgeblich beteiligt waren!

100 Jahre Modefotografie im C/O Berlin

Man Ray, Edward Steichen, Lee Miller, Diane Arbus, Irving Penn, Helmut Newton, Bruce Weber, Corinne Day, Richard Avedon, Mario Testino, Tim Walker, ... Das sind nur einige der Fotografen, die die Welt der Mode nachhaltig beeinflusst haben und nun in einer großen Ausstellung im  C/O Berlin versammelt sind. 100 Jahre Modefotografie sollen in der Ausstellung, die letzten Freitag eröffnete, nacherzählt werden. Der legendäre Condé Nast Verlag hat dazu erstmals seine Archive in New York, Paris, London und Mailand geöffnet und ermöglicht damit einen repräsentativen Überblick über das Genre und seine Meister.

 

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Credit: Albert Watson for American Vogue 1977 © Condé Nast

 
Dass Modefotografie noch nie reine Auftragsarbeit und ästhetische Dokumentation war, zeigt das enorme Renommee, das einigen der Fotografen anhaftet. Ob Ellen von Unwerth, Terry Richardson oder Tim Walker: Sie alle sind Stars einer Branche, die im Kommerziellen fest verankert ist, es aber dennoch immer wieder schafft eigenständige künstlerische Positionen hervorzubringen. Diese herausragenden Persönlichkeiten werden in der Ausstellung chronologisch vorgestellt, von den Anfängen um 1920 herum, bis in die frühen 2000-er Jahre. Den Anfang macht Edward Steichen, den Condé Nast 1923 anstellte. Modefotografie gab es in dem Sinne noch nicht und Nast legte Steichen sogar nahe, die Bilder besser nicht zu signieren, um seiner Reputation als Künstler nicht zu schädigen. Doch Steichen sah es als anspornende Bildaufgabe, die Mode nicht nur zu dokumentieren, sondern zu interpretieren und in einen weiter gefassten Kontext zu stellen: Steichen machte in seinen Fotografien aus jedem Modell eine Ikone der modernen Welt.

 

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Credit: Nickolas Muray for Vanity Fair 1929 © Condé Nast

 

Condé Nast merkte schnell, dass der Erfolg seiner Magazine in den Händen seiner Fotografen und Illustratoren lag. Auch der ewige Konkurrent Harper’s Bazaar versuchte früh mit qualitativen und imposanten Fotostrecken, den Markt für sich zu beanspruchen. So kam es im Laufe der Zeit immer wieder dazu, dass Fotografen von Harper’s Bazaar zu Vogue wechselten oder andersrum. Das gab vielen Fotografen die Chance, durch ihr Talent und Können an üppige Budgets für Modestrecken zu kommen. Vielen der Fotografen ermöglichte diese hohe Wertschätzung, etwas in ihre Arbeiten zu integrieren, das mehr zeigte als Mode: der Zeitgeist, aktuelle Themen, Tabus, Gesinnungen oder Werte werden in den Bildern gespiegelt und geben deshalb in der Retrospektive einen spannenden Einblick in die damaligen Gesellschaften. 

 

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Credit: Clifford Coffin for American Vogue 1949 © Condé Nast

 

Im Laufe der Zeit musst die anfängliche Vormacht der amerikanischen Vogue immer wieder mit den Publikationen aus Paris und London konkurrieren. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen nationalen Versionen sorgte für wechselseitige Impulse, die die Branche immer wieder befeuerten. In den Pariser Vogue-Studios war George Hoyningen-Huene von 1926 bis 1935 stilprägend: Licht und Schatten werden zu geometrischen Formen komponiert, surrealistisch anmutende Bilderwelten geben das perfekte Setting für Entwürfe von Designern wie Lanvin oder Schiaparelli. Auch für Diane Arbus, deren Werk gerade ebenfalls in Berlin, im Martin-Gropius-Bau zu sehen ist, war der Beginn ihrer Karriere die Modefotografie. Bis 1956 arbeitete sie für den Esquire, Haper’s Bazaar, Glamour und Vogue. In ihren Fotografien kreierte sie minutiös bühnenhafte Momentaufnahmen, in denen die Mode zur Kostümierung wurde.

 

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Credit: Diane Arbus for Glamour 1948 © Condé Nast

 

Als Irving Penn 1943 zum neuen Assistenten des Artdirektors der amerikanischen Vogue berufen wurde, ahnte noch keiner, dass Penn für das nächste halbe Jahrhundert einer der wichtigsten Fotografen weltweit werden sollte. Nicht nur seine Modeaufnahmen, auch die Stillleben und Portraits von Prominenten hielt ein ungewöhnlich minimalistischer Stil zusammen. Seine Ästhetik war immer besonders klar, seine Kompositionen strikten formalen Bedingungen unterworfen und die Modelle stets Sinnbilder für Frauen, die wirklich existierten. Bis zu seinem Tod im Jahre 2009 fotografierte er unzählige Titelbilder und Serien für Vogue.

 

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Credit: John Rawling for American Vogue 1944 c Conde Nast 

 

Nachdem Helmut Newton in den frühen 60er-Jahren in seinen glamourösen und mondänen Modestrecken ein neues Frauenbild prägte – die Frau war selbstbestimmt und erfolgreich – stießen auch Bruce Webers Fotografien in neue Gefilde vor: Er unterstütze die Natürlichkeit der Frau, die unangestrengt und gleichzeitig sehr bestimmt war. Die Körperlichkeit war Weber wichtiger als die Kleidung – die Persönlichkeit stand stets im Mittelpunkt. Mit Peter Lindberg  wurde ab Mitte der Achtziger Jahre das neue Image der Supermodel-Riege kreiert und das Model zum Übermenschen inszeniert. Die Mode war mondän und exklusiv, die Frauen luxuriös und unnahbar. Erst Corinne Day – bis dahin eine der wenigen Frauen in der Branche – brachte wieder ein gewisses Maß and Natürlichkeit in die Modefotografie zurück. Bis heute arbeitet sie in ihren Fotografien das Authentische und Unmittelbare heraus. Am Beginn ihrer Karriere traf sie, als sie neue und noch unbekannte Modelle suchte, auf die 15-jährige Kate Moss und verhalf ihr zu ihrer unvergleichbaren Karriere.

 

Am Ende der Ausstellung werden einige wenige neuere Fotografen gezeigt, die seit Beginn des Milleniums die Fashionfotografie prägen: Tim Walker, Ellen von Unwerth, Terry Richardson, Mario Testino: Sie alle müssen sich längst nicht mehr beweisen und haben ihren Platz neben den großen Namen der Geschichte verdient. 

 

 

 Zeitlos schön – 100 Jahre Modefotografie von Man Ray bis Mario Testino

C/O Berlin

Oranienburger Str. 35-36

10117 Berlin

 

noch bis zum 28. Oktober 2012

täglich 11–20 Uhr

22 / 08 / 2012 // by Dana Weschke

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