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La Biennale di Venezia: Ausstellungen in der Stadt

Da die Biennale stets einen massiven Besucherstrom anzieht, zeigen auch die anderen Kunstinstitutionen der Stadt in dieser Zeit hochkarätige Ausstellungen. Sowohl als so genannte „Eventi Collaterali“, die von der Biennale organisiert werden, als auch unabhängige Museen. Hier sind unsere Tipps:

La Biennale di Venezia: Ausstellungen in der Stadt

Seit 2011 besitzt Miuccia Prada mit einem eindrucksvollen Palazzo direkt am Rialto eine weitere Spielwiese für ihre große Kunstbegeisterung. Die Fondazione Prada zeigt in Venedig und Mailand regelmässig Ausstellungen, die vor allem die ambitionierte Sammlung des Modeunternehmens präsentieren. Zur Biennale in Venedig ist eine Ausstellung zu sehen, die gleich am Eröffnungswochenende zu meterlangen Schlangen und fast stundenlangem Anstehen führte: Mit „When attitude becomes form“ wurde Harald Szeemanns legendäre Ausstellung von 1969 in Bern umfangreich reinszeniert. In den sechziger Jahren löste die Ausstellung von Szeemann heftige Debatten aus, da sie entgegen dem Trend nicht thematisch oder chronologisch geordnet war und auch nicht einer vorgefertigtem Meinung des Ausstellungsmacher folgte. Szeemann widmete die Inszenierung ganz den neuen Kunstrichtungen wie Installation, Happening, Land Art oder Environment und ließ die Ausstellung, wie er erklärte, „aus dem Erlebnis des künstlerischen Vorgangs“ entstehen. So haben sich viele der Arbeiten erst vor Ort entwickelt und entgegen des aufkommenden Diktats des White Cube wurden die Werke sehr dicht und sehr eng präsentiert.

 

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Für Venedig nun wurde eine gehöriger Aufwand betrieben, nicht nur jede einzelne Arbeit von damals aus Museen und Privatsammlungen auf der ganzen Welt zu leihen, sondern auch keine Kosten gescheut den venezianischen Palazzo aus dem 18. Jahrhundert in eine Kunsthalle der sechziger Jahre zu verwandeln. Kurator Germano Celant holte sich für dieses Projektkeine Geringeren als Stararchitekt Rem Koolhaas und Künstler Thomas Demand zur Unterstützung. Sowohl kuratorisch, als auch visuell und architektonisch ist das Ergebnis mehr als beeindruckend. Rein pädagogisch gesehen bietet der Besuch einen intensiven Eindruck für die Kunst der sechziger Jahre und vermittelt eindrucksvoll das Selbstverständnis der damaligen Künstler. Mitunter die wichtigsten Repräsentanten der Nachkriegskunst, wie zum Beispiel Joseph Beuys, Richard Serra, Bruce Nauman, Claes Oldenburg oder Sol LeWitt, sind vertreten. Das lange Warten lohnt sich in jedem Fall.

 

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Der Palazzo Grassi ist ebenfalls ein privates Museum, das von Megaunternehmer Francois Pinault gestiftet wurde – Chef der Firmengruppe PPR und damit von Marken wie Gucci, Yves Saint Laurent oder Balenciaga. Abwechselnd zeigt Pinault dort Gruppenausstellungen mit Werken aus seiner Sammlung und umfangreiche Schauen von einzelnen Künstlern. Zur Biennale wurde der komplette Palazzo von dem in New York lebenden Künstler Rudolf Stingel in eine ganzheitliche Inszenierung verwandelt. Alle Wände des Gebäudes wurden aufwendig mit orientalischen Teppichen bedeckt, auf denen in einigen Räumen dann Stingels Gemälde zu sehen sind. Es ist das erste Mal, dass der komplette Palazzo Grassi die Arbeiten von nur einem einzigen Künstler zeigt, der die Ausstellung auch selbst kuratierte. Mit der Inszenierung will Stingel die Beziehung zwischen Malerei und Architektur ausloten und die Aura der Gemälde in einen neuen Kontext einbetten. Die Arbeiten variieren von abstrakt zu figurativ und zeigen sowohl Portraits, als auch Abbilder von mittelalterlichen Ikonen oder großformatige Strukturen und Flächen. Die Teppiche verwandeln den Raum in einen völlig neuen Ort und befreien die Gemälde von einer allzu klinischen und elitären Umgebung. Stingel spielt mit dem Grenzbereich von Kunst und Dekoration und schafft es dabei, die Malerei gleichzeitig zu feiern, als auch anzuzweifeln. 

 

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Als Nebenevent der Biennale wird dem Portugiesen Pedro Cabrita Reis im Palazzo Falier eine umfangreiche Schau gewidmet. Auf 700 qm hat der Künstler eine einnehmende Installation  aus Aluminiumstangen, Fiberglas, Leuchtstoffröhren sowie Gemälden, Zeichnungen und Fotos realisiert. Die Untersuchung des Raums und die Wahrnehmung von Ort und Zeit spielen in Cabrita Reis‘ Werk seit jeher eine große Rolle und die Präsentation in Venedig ist sicherlich eine der eindrucksvollsten Beispiele seiner Arbeit. Sehr abenteuerlich schleicht der Besucher um die Gebilde, die einerseits den Weg führen, andererseits eben jenen versperren. Der Künstler hat Archivmaterial, private Fundstücke und Fragmente frühere Arbeiten integriert und damit gleich mehrere Bedeutungsebenen eröffnet. Architektur, Konstruktion, Skulptur und Flachware verschwimmen ineinander. Schon 2003 durfte Pedro Cabrita Reis den portugiesischen Pavillon bespielen und ist nun mit dieser Installation zurück zur Biennale. 

 

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Fondazione Prada

When attitude becomes form

Calle de Ca' CornerSanta Croce 2215

30135 Venezia 

http://www.prada.com/en/fondazione/cacorner

 

Palazzo Grassi

Rudolf Stingel

Campo San Samuele

30124 Venezia

http://www.palazzograssi.it

 

Palazzo Falier

Pedro Cabrita Reis: „A remote Whisper“ 

Calle Vitturi O Falier 

San Marco 2909

30124, Venice

www.pedrocabritareis-palazzofalier.org

09 / 06 / 2013 // by Dana Weschke

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