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Weekender: Diane Arbus im Berliner Martin-Gropius-Bau!

Diane Arbus revolutionierte in den 60-er Jahren die Kunst der Fotografie & zeigte ihre Heimat New York in einem völlig neuen Licht. Der Martin-Gropius-Bau widmet ihrem Werk nun eine große Retrospektive. Wir haben uns die Ausstellung für euch angesehen und finden, der Besuch ist ein absolutes Muss!

Weekender: Diane Arbus im Berliner Martin-Gropius-Bau!

Diane Arbus ist eine Ikone der Fotografie! Ihr Blick auf die Gesellschaft, im speziellen auf das Leben in New York, hat den Anspruch an die Fotografie neu formuliert. Ihr Stil ist sehr einfach und formal gesehen klassisch, die bestechende Klarheit der Bilder wurde zu ihrem Markenzeichen. Während die meisten Fotografen zu ihrer Zeit noch mit einer 35mm-Kamera arbeiteten, wechselte Arbus 1962 auf eine Rolleiflex 6x6. Mit dem neuen Format sorgte sie für eine Verfeinerung der Aufnahmen und konnte – wie sie selbst sagte – „die echte Textur der Dinge erkunden“. Genau diese Eigenschaft ihrer Fotografien ist es auch, die dem Besucher beim Gang durch die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau überrascht. In der heutigen digital-geprägten Zeit sind hochaufgelöste Aufnahmen kein Qualitätsmerkmal mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit. Doch Arbus erreichte diese Schärfe schon damals und benutzte sie, um eine außergewöhnliche Unmittelbarkeit in ihren Arbeiten zu erreichen. 

 

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Credit: The Estate of Diane Arbus 

 

Zu ihren Motiven gehören Menschen aus ganz unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen und Subkulturen: Transvestiten, Dragqueens, Zirkusleute, Nudisten oder Kleinwüchsige. Sie zeigt diese Menschen entgegen dem Zeitgeist nicht als Attraktion oder Anormalität, sondern unvoreingenommen und mit einem sehr einfühlsamen Blick auf deren Leben. Sie versucht nicht das Skurrile zu retuschieren oder gar zu romantisieren, sondern eine aufrichtige Sicht auf das Leben zu ermöglichen. Es ist deshalb wichtig, das ganze Werk dieser Fotografin zu erfassen. Denn auch die Bilder der Mittelklassefamilien, die Portraits von Paaren oder Kindern erheben den gleichen Anspruch an die Fotografie: eine unverfälschte Wirklichkeit zu zeigen. „Ich glaube wirklich, es gibt Dinge, die niemand sehen würde, wenn ich sie nicht fotografiert hätte“, sagte sie einmal. Damit meint Arbus nicht nur die am Rande der Gesellschaft lebenden Gruppen, die sie fotografierte, sondern auch ihr Talent, das Fremde im Vertrauten zu finden. 

 

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Credit: The Estate of Diane Arbus 

 

Die Retrospektive in Berlin bietet eine seltene Gelegenheit, eben diese Bedeutung der Künstlerin zu erkennen. Über 200 Arbeiten werden gezeigt, darunter neben den sehr berühmten Werken – wie zum Beispiel das Bild der identischen Zwillinge (siehe oben) – auch bisher unveröffentlichte Fotografien. Auf eine chronologische oder thematische Ordnung wurde verzichtet, um dem Besucher die gleiche Unvoreingenommenheit zu ermöglichen, mit der auch Arbus dem Leben begegnete. Die letzten Räume der Ausstellung bieten eine ausführliche und kritische Dokumentation zu dem leider sehr kurzen Schaffen dieser Künstlerin: Mit nur 48 Jahren, am 26. Juli 1971, nahm sich Diane Arbus in New York das Leben. 

 

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Credit // Header: The Estate of Diane Arbus 

 

In ihrem 15-jährigen Schaffen ermöglichte die Künstlerin einem von Rassenunruhen und außenpolitischen Unsicherheiten geprägtem Land eine neue Sicht auf die Gesellschaft. Arbus’ Einfluss auf die Fotografie ist trotz der technischen Entwicklungen bis heute ungebrochen und Ausstellungen ihres Werks füllen die Museen mit Menschenmengen. Den Besuch der Schau, die noch bis zum 23.September im Martin-Gropius-Bau können wir euch also nur wärmstens ans Herz legen!  

 

 

Diane Arbus

Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7

10963 Berlin

Tel +49 30 254 86-236 

Mittwoch bis Montag 10 - 19 Uhr, Di geschlossen

05 / 08 / 2012 // by Dana Weschke

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