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REPLIKA – eine temporäre Installation verzaubert München

Die Künstler Ayzit Bostan und Gerhardt Kellermann haben den Münchner Hofgarten mit wehenden Vorhängen bespielt und damit ein sehr sinnliches Stück Venedig in die bayrische Hauptstadt gebracht.

REPLIKA – eine temporäre Installation verzaubert München

Der Hofgarten der bayrischen Residenz in München ist seit eh und je ein sehr ruhiger und ehrfürchtiger Ort. Von der Schlösser- und Seenverwaltung gehegt und gepflegt, wird penibel darauf geachtet, dass außer den Boule-Spielern und dem nostalgischen Tanzkurs keine Veranstaltungen die Würde des Parks in Zweifel ziehen. Deswegen ist es umso erstaunlicher, dass nun einem Künstler-Duo gestattet wurde, in jenem Kleinod des Freistaats Bayern eine Kunstinstallation durchzuführen. 

 

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Credit: Fabian Frinzel

 

88 Vorhänge wurden in die umlaufenden Arkaden gehängt und erinnern damit an den venezianischen Markusplatz, der das Vorbild dieser Aktion darstellt. Die Künstlerin und Modedesignerin Ayzit Bostanerzählt, woher die Inspiration für Replika kam: „Als ich in Venedig bei der Biennale war und über den Markusplatz ging, fiel mir die starke Verwandtschaft zwischen den Arkaden am Markusplatz und denen im Hofgarten auf. Ich hatte plötzlich den tiefen Wunsch, dass man die Vorhänge des Markusplatz eigentlich für den Hofgarten ausleihen müsste.“ Denn auch in der unmittelbaren Umgebung des Hofgartens ist München sehr italienisch. Im 19. Jahrhundert waren die beiden Architekten Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner prägend für das Stadtbild Münchens. Die neoklassizistischen Architekten orientierten sich bei ihren Arbeiten stark an früheren italienischen Bauten. So ist zum Beispiel die berühmte Feldherrnhalle eine Reminiszenz auf die Loggia die Lanzi in Florenz und die dem Hofgarten gegenüberliegende Theatinerkirche nahm sich die Barockkirche Sant’Andrea della Valle in Rom zum Vorbild.

 

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Credit: Gerhardt Kellermann

 

Bostans und Kellermanns poetischer Eingriff in den öffentlichen Raum soll diese Tradition aber nicht einfach fortführen. Die neu installierten Vorhänge sollen viel mehr eine moderne Interpretation darstellen und dem altbekannten Ort eine neue Wahrnehmung verleihen. Schon kurz nachdem der erste Vorhang hing, blieben viele der Besucher stehen, zückten ihre Kameras und iPhones oder liefen neugierig durch die Bögen. Man kann dort lange stehen, und den Vorhängen zusehen, wie sie sich mal leichter, mal stärker im Wind bewegen. Wie sie erhaben den königlichen Platz säumen, oder wie der Stoff wie kleine Wölkchen nach oben gebunden die Sicht auf die Schaufenster unter den Arkaden freigibt. Der leichte, mint-grüne Ton lässt auch tagsüber schon ahnen, dass die zeitgenössische Interpretation nicht nur den geradlinigeren Schnitt und die klare Optik ausmacht, sondern auch durch den Glow-in-the-dark-Effekt entsteht. Tagsüber durch die Sonne aufgeladen, leuchtet der Stoff in der Abenddämmerung und verleiht dem Ort einen magischen Glanz. 

 

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Credit: Gerhardt Kellermann

 

Die Eröffnung am Freitagabend war dementsprechend pompös. Menschen aus Deutschlands Kunst- und Kulturszene sind angereist um mit den Künstlern die Installation zu feiern. Als besonderer Gast des Abends lieferte dann der französische Soundkünstler Koudlam – der schon im MoMA in New York oder der London Tate die Leute zum beben brachte – eine atemberaubende Performance ab. Noch bis zum 21. Oktober kann man die Installation in München erleben. Und es lohnt sich, die Website oder Facebook-Fanpage zu beobachten: an einem weiteren Rahmenprogramm wird geplant!

26 / 07 / 2012 // by Dana Weschke

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