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THE WHOLE EARTH: KALIFORNIEN UND DAS VERSCHWINDEN DES AUßEN

Ein Einblick in die Ausstellung "The Whole Earth", im Haus der Kulturen der Welt in Berlin

THE WHOLE EARTH: KALIFORNIEN UND DAS VERSCHWINDEN DES AUßEN

Steward Brands „ Whole Earth Catalog “ gilt als erster analoger Vorläufer des Internets. Eine Ausstellung im Berliner Haus der Kulturen der Welt untersucht in einem Konglomerat aus Archivmaterial, Kunstwerken, Dokumenten, Schallplatten und Fotografien die radikalen Umbrüche, die der Katalog begleitete und dessen bis heute anhaltende Bedeutung. „Why haven't we seen a photograph of the whole Earth yet?“, war auf den Buttons zu lesen, die der Amerikaner Stewart Brand 1966 auf den Straßen verteilte. Kurze Zeit später, als Ergebnis einer größeren Kampagne von Brand, veröffentlichte die NASA tatsächlich das erste Foto, dass die Erde als Ganzes zeigt. Aufgenommen im Weltall. 

 

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Was daraufhin entfacht wurde, wird von Theoretikern heute mit dem Zeitalter des Anthropozäns beschrieben: Diese erste Außenansicht und die damit verbundene Wahrnehmung der Welt als ein Ganzes, stellte das bisherige Konzept der Natur –  als einem System, das unabhängig vom Menschen funktionierte – infrage. Fast schlagartig wurde deutlich, dass sich der Mensch langsam über die Natur erhoben hatte.

 

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Credit: Galerie Andreas Binder und Philipp Lachenmann

 

Für diesen starken Paradigmenwechsel war Brand eine Art Prophet und lieferte mit dem Whole Earth Catalog, wie es im Untertitel heißt, „access to tools“: Das Werkzeug zu einem besseren, selbstbestimmten Leben. Das berühmte NASA-Bild wurde zur Ikone für diese Bewegung und zierte künftig in verschiedenen Variationen jede Ausgabe des Katalogs. In sieben Kapiteln versucht die Berliner Ausstellung die Bedeutung des Katalogs aufzuarbeiten und sowohl mit bildender Kunst , als auch mit kulturhistorischen Materialien dessen wichtigen Bezug zur Gegenwart aufzuarbeiten. 

 

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Credit: Jacob Hoff / Haus der Kulturen der Welt

 

Ein besonders anschauliches Beispiel ist die Arbeit des schwedisch-brasilianischen Künstlers Öyvind Fahlström, der als einer der ersten damit begann, politische und wirtschaftliche Zusammenhänge als Landkarte zu visualisieren. Präsidenten werden einer nach dem anderen eine Klippe hinabgestürzt, kleine Unternehmen von übermächtigen Boxhandschuhen erledigt und Preise steigen in einer Rakete in den Himmel: In klassischer Popart-Manier zeigt Fahlström die frühen Entwicklungen der Globalisierung und entspricht damit einer Universalistischen Weltanschauung.

 

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Credit: The Öyvind Fahlström Foundation / VG Bildkunst, Courtesy Aurel Scheibler; Berlin

 

Robert Rauschenberg ist mit der Collage „Earth Day“ vertreten und für die Ausstellung vor allem wegen seiner 1966 zusammen mit Billy Klüver gegründeten Organisation „Experiments in Art and Technology“ wichtig. Aufgrund von Rauschenbergs Faszination für neue Technologien war er auch einer der wenigen Künstler, die auf Einladung der Nasa dem Start der legendären Apollo 11-Rakete beiwohnen durfte. 

 

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Credit: Courtesy Ronald Feldman Fine Arts, New York

 

In Richards Serra Videoarbeit „Boomerang“ (1974) wird die zunehmende Medialsierung der Gesellschaft thematisiert. Gezeigt wird eine Frau, die, während sie zu sprechen versucht, das eben Gesagte durch Kopfhörer etwas zeitverzögert wieder hört und dadurch Schwierigkeiten hat, fortzufahren. Im Vergleich zu der umfassenden Medialisierung, der wir heute ausgesetzt sind, eine fast schon naive Kritik.

 

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Credit: Courtesy Ronald Feldman Fine Arts, New York / Anonymouscollection

 

Mit unzähligen solcher Beispiele reflektiert die Ausstellung sehr anschaulich und ausführlich, die avantgardistische Bedeutung des Whole Earth Catalogs, und visualisiert dabei die rasend schnelle Entwicklung, der wir in den letzten 50 Jahren ausgesetzt waren. „The Whole Earth“ findet im Rahmen des auf fast zwei Jahre angelegten Anthropozän-Projekts statt, in dem neue Modelle für das Nachdenken über Kultur, Politik und das Handeln in der Welt behandelt werden.

 

The Whole Earth

Haus der Kulturen der Welt

John-Foster-Dulles-Allee 10

10557 Berlin

noch bis  01. Juli. Mi – Mo, 11–18 Uhr

27 / 05 / 2013 // by Dana Weschke

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