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Adrenalin für die Grätzel

Historisch und zeitgemäß. Intellektuell und experimentell. Melancholisch und durchsetzungsstark: Zur Vienna Art Week zeigt sich Wien von seiner besten Seite

Adrenalin für die Grätzel

Running Minds lautet das Motto der diesjährigen VIENNA ART WEEK. Der Titel ist der Rastlosigkeit, dem steten Suchen im künstlerischen Prozess gewidmet, spiegelt aber auch den temporeichen Parcours für den Eventbesucher wider: 70 teilnehmende Programmpartner aus Wiens lebendiger Kulturszene laden bis zum kommenden Sonntag zu 200 Veranstaltungen rund um Zeitgenössisches ein.

 

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Credit: Vienna Art Week 2013, Open Studio Day, by Florian Rainer

 

Was 2004 mit 400 Besuchern als recht exklusive Veranstaltung begann, lockt inzwischen rund 35.000 Kunstinteressierte in Österreichs Hauptstadt. ‚Adrenalin für die Grätzel’ hieß es in der Tageszeitung Der Standard über die Arbeit der zeitgenössischen Galerien. Aber auch Institutionen wie MuseumsQuartier, mumok oder KÖR Kunst im öffentlichen Raum beweisen, dass der tradierte Blick auf Walzer und Heurigen schon lange nicht mehr genügt, um Wiens Rolle als Kulturstandort gerecht zu werden. Dennoch habe sich Wien im Vergleich mit Städten wie Berlin oder London etwas Außergewöhnliches bewahrt, betont einer der Kunstkenner vor Ort, Kunsthallen-Direktor Nicolaus Schafhausen: „In Wien trifft Historie auf Zeitgemäßes, Intellektuelles auf Experimentelles und Melancholie auf Durchsetzungsvermögen“.

 

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Credit: Vienna Art Week 2012, by Florian Rainer

 

Tief ins Wiener Geflecht eintauchen lässt es sich etwa in Sigmund Freuds „Gedächtnishöhle“. So nannte der berühmte Psychoanalytiker seine Arbeitsräume. In ihnen hat sich der New Yorker Künstler Brandt Junceau nun mit seinen Skulpturen ausgebreitet, die an primitive Artefakte erinnern. Der Künstler beleuchtet als Geschichtsforscher das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart und nähert sich so Freuds metaphorischer Anleihe im archäologischen Feld. Für den österreichischen Neurologen bedeutet Tiefenpsychologie nämlich auch das zu Tage Fördern „seelischen Altertümer“.

 

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Credit: Brandt Junceau: Hängender, 2011, by Oliver Ottenschläger

 

Dass auch und gerade in repressiven Zeiten kulturelle Cluster entstehen, zeigt das Architekturzentrum Wien in der Ausstellung Through Maidan and Beyond. 23 aufstrebende und etablierte Künstler der Ukraine analysieren in ihren Arbeiten den politischen Wandel. Unter ihnen ist Nikita Kadan. Der Aktivist gründete bereits 2004 die Künstlergruppe R.E.P. (Revolutionary Experimental Space), um Themen wie Korruption, die Verletzung von Menschenrechten oder den Machtmissbrauch in der Ukraine künstlerisch zu verarbeiten. Seine bekannteste Zeichnungsserie, Procedure Room, die in Museumssammlungen weltweit zu finden ist, zeigt auf feinsten Porzellantellern comichaft abstrahierte Szenen von Polizeiübergriffen und Machtmissbrauch.

 

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Credit: Vienna Art Week 2013, by Florian Rainer

 

Der Kunstraum Verein 08 ähnelt einem Wohnzimmer. Doch die ausgestellte Thematik ist wenig gemütlich: NO MORE FUKUSHIMAS zeigt u.a. die schwarz-weißen Holzschnitte von Takashi Ohno. Der Japaner hält in piktogrammartig verkürzten Szenen das Tagesgeschehen seiner Heimat fest, seine Protagonisten sind dabei stets vermenschlichte Katzen. Den zwei Katastrophen, die 2011 sein Land ereilten – zunächst ein Tsunami, anschließend die Kernschmelze in den Reaktoren Fukushimas – widmete der Illustrator eine ganze Reihe. Die japanische Ikonografie zu kennen ist hilfreich, um Ohnos Kürzel und Querverweise tatsächlich zu lesen: So verweist die bedrohliche Welle der stürzenden Tsunami-Fluten auf die in Japan sehr bekannte Silhouette des Monsters Godzilla und auf einen berühmten Farbholzschnitt mit reißender Woge aus Hokusais 36 Ansichten des Berges Fuji von 1830-32.

 

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Credit: Takashi Ohno 2011, by Marcello Farabegoli

 

Nicht verpassen sollte man auch die zahlreichen Art Talks, Podiumsdiskussionen oder Kuratorenführungen der VIENNA ART WEEK: Am 21. November plaudert der Enkel Joan Mirós mit Museumsdirektor Klaus Albrecht Schröder in der Albertina (18 Uhr); im Leopoldmuseum äußert sich Österreichs humorigster Bildhauer Erwin Wurm zum Werk von Alberto Giacometti (19. November, 16 Uhr) und am 22. November öffnen rund 70 Künstler/innen ihre Ateliers von 13 bis 18 Uhr für Besucher.

 

- By Evelyn von Rebay

19 / 11 / 2014 // by LigaStudios Team

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