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Jürgen Dahlmanns

Das Berliner Teppich-Label Rug Star entwickelt fantasievolle Teppichkunstwerke, die selbst dem edelsten Fischgrätparkett Konkurrenz machen! Im Interview mit LigaStudios verrät Designer und Gründer Jürgen Dahlmanns was das Besondere an seinen Kreationen ist.

Jürgen Dahlmanns

Der studierte Architekt Jürgen Dahlmanns gründete Rug Star 2001, nachdem er bei einer Trekking-Tour in Nepal in einem alten Bergdorf seinen ersten tibetanischen Teppich, einen „Khaden”, kaufte. Zurück in Berlin entstand die Idee, eines Tages seinen eigenen Teppich zu produzieren. Aus der Idee wurde ein erfolgreiches Label, was auch heute noch seinen Hauptsitz in  Berlin hat. 

 

Jürgen, Was steckt hinter dem Teppich-Label Rug Star? Wie würdest Du Dein Konzept beschreiben?

Es gibt ein System der Dinge das uns umgibt und diese Dinge sprechen von uns, von unseren Wünschen, aber auch von unseren Brüchen die wir im Alltag durch Rollenkonflikte erleben. Dieser Konflikt oder „Twist“ im Alltag und in der Familie ist der Aspekt, welcher mich schon immer am stärksten interessierte. Zuerst in der Politik, dann in der Architektur und nun in der Einrichtung. Was können wir als Designer und Produzenten hinzufügen, was von all diesen Bewegungen und Emotionen spricht, wie können wir Seelenflächen entwerfen, die zur Konfrontation aber auch zur Versöhnung aufrufen. Das Hauptthema meiner Entwürfe liegt daher in der Darstellung von Bewegung in und mit dem von Hand geknüpften Tibeters. 

 

Würdest Du Deine Teppiche eher als Kunstwerk oder als Gebrauchsgegenstand bezeichnen?

Für mich ist Produktdesign aufgrund seiner Anwendungsmöglichkeit immer in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand, aber mit der Potenz zur Gebrauchskunst. Kunst zum anfassen ist an sich ja eh schon großartig, wenn diese dann noch Raumfunktionen übernimmt, dann würde mich das sehr freuen. Es liegt am Ende in der Auffassung des Menschen, der mit den Dingen lebt.

 

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Leben denn heute überhaupt noch so viele Menschen mit Teppichen, gelten diese nicht eher als spießig? 

Der Teppich, besonders der von Hand geknüpfte, liegt im Verlangen unserer Zeit sich mit Dingen zu umgeben, die Individualität und damit Charakter haben. Darin liegt eine Sehnsucht nach Gegenständen, welche die Möglichkeit in sich tragen mit der Zeit und mit uns zu altern. Dabei entwickeln sie Patina und werden noch schöner. Teppiche sind Seelenflächen in unserer Einrichtung auf die keine Wohnung mehr verzichten sollte. Es ist eine Sehnsucht nach Entschleunigung und einer Konsistenz, die nicht an der Oberfläche sich erklärt.

 

Wie werden die Teppiche gefertigt? Welche Rolle spielen die  Produktionsbedingungen? 

Ich bin der Überzeugung, dass wir als Produzenten und Konsumenten Verantwortung für unsere Aktivitäten haben. Alle unsere Handlungen haben globale und soziale Auswirkungen. Wir stehen in der Verpflichtung diese zu überprüfen, um sicher zu stellen, dass wir der Welt und den Menschen keinen Schaden zu fügen. Da diese Aufgabe sehr komplex ist macht es Sinn, sich mit Organisationen wie Gold Weave zusammen zu schließen, um von den Erfahrung und Vernetzung vor Ort zu profitieren. Beispielsweise prüfen sie in Nepal jeden Teppich und die Produktionsstätten, um sicher zu stellen, dass weder Kinderarbeit noch schlechte Arbeitsbedingungen vorherrschen.

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Woher bekommst Du die Inspirationen für die kreativen Muster. Motive wie Koys, Schmetterlinge und asiatische Blütenmotive sind ja keine typische Musterwahl für Teppiche.

Herkunft, Entstehungsprozess, Materialqualität und Individualität sind meine wichtigsten Leitlinien im Umgang mit diesem außergewöhnlichen Kunsthandwerk. Für mich ist das Produzieren eines von Hand geknüpften Teppichs das perfekte Wechselspiel zwischen Perfektion und Improvisation. In diesen beiden Polen bewege ich mich. Die Improvisation schafft eine stärkere Individualität sowie eine größere Identität des Produktes und strahlt Lebendigkeit aus. Meine Muster wähle ich aus meiner architektonischen Grundhaltung zur Betrachtung des Teppichs. In dem Motiv sehe ich eine Möglichkeit Bewegung zu leiten. So kann ein Muster Bewegung fördern, wo es nötig ist oder aber eine Fläche beruhigen. Motive wie Koys und Schmetterlinge drücken an sich schon Bewegung aus, bei den Blume erzeuge ich Dynamik durch die Anordnung oder durch die Verläufe sowie Mischungen von Material und Farbe.

 

 

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Du hast als einer der ersten Deutschen für IKEA designt. War der Designprozess ein Anderer, als für deine eignen Modelle? Arbeitest du noch immer für den schwedischen Möbelhersteller?

Die Arbeit mit IKEA war für mich, in der damaligen Situation kurz nach meiner Firmengründung, ein toller Ansporn mich mit dem Produkt, von vielen Seiten auseinander zu setzten. Ich habe gelernt, meine eigene Arbeit besser zu definieren und zu verstehen. Das würde ich immer wieder machen, auch wenn die Arbeits- und Produktparameter gänzlich andere sind. Nachdem ich für IKEA Produkte entwickelt habe war ich noch eine Zeit als Kreativ Consultant involviert und der Kontakt ist nie abgebrochen. Immer wieder steht die Idee im Raum die Zusammenarbeit noch einmal aufleben zu lassen, bis Dato war aber leider noch keine Zeit dazu, aber vielleicht klappt es in diesem Jahr.

 

„Persia No. 3 in ElectticBlue“ klingt sehr exklusiv. Wie viel muss man für Deine Modelle ausgeben?

Ein von Hand geknüpfter Teppich vereint die besten Materialien und eine dahinter steckende menschliche Meisterleistung eines vielleicht 3000 stündigen Produktionsprozess, dass muss ich vorschicken, um einen Preis für das Produkt zu nennen, denn diese Daten setzten alles in Relation. Die Preise beginnen bei 1.200,00 Euro für den Quadratmeter und können über 2.000,00 Euro den Quadratmeter ansteigen, dass hängt von den Materialien und den Techniken sowie der Knotendichte ab. 

 

Nachtrag: ich fange schon mal an zu sparen. Die Teppichliebe hat auch mich erfasst!

 

RUG STAR 
Rosa-Luxemburg-Straße 27
Berlin-Mitte 10178

19 / 06 / 2012 // by Mirjana Goedicke

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