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Kera Till

„Naiv, aber schräg“ - So bezeichnet die Illustratorin Kera Till ihren Stil. Die 29-Jährige lebt abwechselnd in München und Paris. Sie gestaltet Bücher, Artikel, Postkarten und ganze Schaufenster und ist seit kurzem auch in der Blogger-Szene unterwegs. Wir trafen die Künstlerin zum Gespräch!

Kera Till

Kera, du hast Politikwissenschaften studiert. Wie bist du zum Illustrieren gekommen? 

Ich zeichne, seit ich denken kann. Schon als kleines Mädchen habe ich Frauen und Kleider gezeichnet. Nach dem Abitur war aber irgendwie weder Grafikdesign noch Kunstakademie noch Modedesign das Richtige - also habe ich mich für Politik entschieden, weil mich das schon in der Schule sehr interessiert hat. Gezeichnet habe ich aber weiter. Vor sechs Jahren hat mich die Art-Direktorin von Net-a-porter ermutigt, ein Portfolio zusammenzustellen. Das habe ich dann an Redaktionen geschickt – und gleich einen Auftrag von der deutschen „Vogue“ bekommen. Die Bildredakteurin und der Art Direktor waren so angetan und mutig, mich ohne große Referenzen gleich mehrere Seiten zeichnen zu lassen. Dafür bin ich noch immer unendlich dankbar. Ich habe dann zwar meinen Magister in Politik gemacht, war aber schon vollbeschäftigte Illustratorin. 

 

Was illustrierst du am liebsten und was war bis jetzt die wichtigste Arbeit für dich?
Am liebsten zeichne ich Frauen, Mode, Essen und Accessoires. Die wichtigste Arbeit war die erste für die deutsche „Vogue“, der Startschuss sozusagen. Aber es gab viele wichtige Stationen in meiner Laufbahn wie die Sachen für das Pariser Patisserie-Haus Ladurée, Bücher, die ich illustriert habe, und die Schaufenster für Hermès im vergangenen Jahr. 

 

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Credit: Kera Till

 

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Als naiv, aber schräg. Im Französischen gibt es ein Adjektiv, das sich nur schwer übersetzen lässt, das meine Arbeit aber sehr gut beschreibt: „décalé“. Wenn man es überhaupt übersetzen kann, bedeutet es so etwas wie „verschoben, nicht mit einer Norm übereinstimmend“.

 

Kannst du dir vorstellen, auch Mode oder Produkte zu gestalten?
Ja, und wie! Am liebsten Interior-Stoffe. Ich arbeite gerade an einer Storage-Box-Kollektion aus Papier. Mode könnte ich mir weniger vorstellen. Da fehlen mir das Handwerk, die Geduld und die „Liebe zum Detail“. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht gerne mit einem Modelabel für Designs kooperieren würde. 

 

Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?
Ich habe keinen geregelten Ablauf. Meistens arbeite ich zu Hause in meinem Arbeitszimmer und setze mich direkt nach dem Aufstehen an den Schreibtisch und zeichne. Oft habe ich noch Termine im Laufe des Tages. Es passiert aber auch, dass ich den ganzen Tag in der Stadt rumlaufe oder radle, von einem Café zum nächsten, Leute in Läden besuche, ewig zu Mittag esse und einfach herumstreune. Manchmal ist auch genau das Gegenteil der Fall: Es kann passieren dass ich für mehrere Tage die Wohnung nicht verlasse und nonstop zeichne, weil ich so unter Abgabedruck stehe. 

 

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Credit: Kera Till

 

Was inspiriert dich?
Am meisten inspiriert mich Paris, aber auch andere große Städte wie London, Bücher und Ausstellungen. Wenn ich keine Ideen habe, rufe ich meinen Vater an, der 25 Jahre lang Direktor des Münchner Stadtmuseums war. Er hat mich mit Ideen noch nie im Stich gelassen.  Auch den schwierigsten Artikel kann ich mit seinen Ideen illustrieren. Meistens liefert er mir dann noch Vorlagen aus seinem Riesenarchiv. 

 

Du hast ein Blog auf „Vogue Online“, für das du Momente und Eindrücke illustrierst. Wie entsteht so ein Blogeintrag?
Die Idee war ein unkompliziertes Skizzenbuch in Blogform, also nichts zu durchdachtes, sondern etwas leichtes. Ich zeichne, was mir auffällt. Es ist sehr stimulierend und befreiend, so arbeiten zu können.

 

Dieses Blog kommt der ursprünglichen Form der Modeberichterstattung sehr nahe. Wie bist du auf die Idee zu diesem Blog gekommen?
Andere bloggen mit Text und Fotos, wieso sollte ich das mit meinem Medium nicht tun? Ich habe Schwierigkeiten gehabt, mich für eine Form für meine Webpräsenz zu entscheiden. Es ist in Vergessenheit geraten, dass früher Modezeitschriften fast ausschließlich aus Illustrationen bestanden. Das war nicht nur Dekoration, sondern Dokumentation. Die Zeichner saßen bei den Modenschauen im Publikum. Da kam mir die Idee zu einem Blog, die ich „Vogue.com“ vorgeschlagen habe. Sie fand die Idee sofort gut. 

 

Den zweiten Teil des Interviews gibt es heute Nachmittag bei uns zu lesen!

 

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Credit: Kera Till

 

- by Kathrin Hollmer

26 / 11 / 2012 // by LigaStudios Guest

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