Bei Anruf im Gletscher
Die Künstlerin Katie Paterson verabschiedet tote Sterne und verlegt Telefonleitungen zu einem Gletscher. Ihre sowohl wissenschaftliche als auch philosophische Auseinandersetzung mit der Natur und dem Universum ist aktuell in einer Einzelausstellung in der BAWAG Contemporary in Wien zu sehen.
Beim Betreten der BAWAG wird der Kunstsuchende gleich in die vertraute Melodie von Beethovens ,Mondscheinsonate‘ gehüllt. Der selbstspielende Flügel wirkt so verträumt wie nostalgisch würden nicht Brüche und Aussetzer die Melodiebestimmen. Denn nicht ein begabter Pianist, sondern der unvollkommene Mond hat die ihm gewidmete Sonate neu komponiert. Mithilfe einer Erde-Mond-Erde Funkübertragung ließ Paterson die Sonate in Form von Morsezeichen an den Mond und von dessen Oberfläche reflektiert zurück zur Erde senden. Da jedoch Krater und Furchen die Oberfläche bestimmen, sind einige Noten in den Tiefen verloren gegangen. Das Stück wurde nur in Fragmenten zurückgesendet und somit neukomponiert. Neben dem selbstspielenden Flügel erklären zwei gerahmte und simple Drucke die komplexe Kommunikation. Diese zeigen die versendeten Morsezeichen, welche aus dem Notenblatt übersetzt wurden und die Morsezeichen, welche zurück gesandt wurden. Vor allem aber weisen sie auf die reduzierte und poetische Sprache, welche Paterson in ihren Arbeiten benutzt.
Weniger musikalisch, dafür im wahrsten Sinne berauschend ist ihre Arbeit ,Vatnajökull (the sound of)‘. Weiße-Neonlicht Ziffern symbolisieren eine Telefonnummer, welche Menschen ein Gespräch mit einem Gletscher in Island ermöglichten. Von jedem Ort der Welt war die Nummer für eine bestimmte Zeit erreichbar und ermöglichte mithilfe einer Unterwassermikrofonleitung einen Anruf im Eis. Aus 47 Ländern riefen insgesamt 10.000 Personen an und lauschten dem Knacken, Brechen und Tropfen von Eis.
Die Details des Universums und die Phänomene der Natur sind die Themen, welche Katie Paterson konzeptuell aufgreift und mit einfachen Mitteln darstellt. Sie lässt Raum für eigene Interpretationen und arbeitet doch auf wissenschaftlicher Basis mithilfe von Astronomen und Geographen zusammen, um die Arbeit anschließend in einer simplen und visuellen Sprache zu kommunizieren. Ein vier Milliarden alter Meteorit kann von Paterson schon mal eingeschmolzen und zu einem Replikat gegossen werden, während formlose Briefe den Tod eines Sternes protokollieren und einer Todesanzeige gleichkommen. Nicht nötig könnte man meinen, würden die Arbeiten nicht auf humorvolle und ästhetische Art und Weise die unvorstellbaren Details von Natur aufzeigen.
Die stärkste Arbeit befindet sich wohl in der hintersten Ecke der Galerie: in einer abgedunkelten kleinen Kammer hängt eine bläulich schimmernde Glühbirne. Sie leuchtet mit der Lichtintensität und Farbe des Mondlichts. Neben der Glühbirne findet sich in einer Sperrholzkiste eine Batterie an Birnen - insgesamt 289 für 2.000 Stunden Mondlicht. Sie dient als Vorratskammer Mondlicht - ein Menschenlebenlang.
- by Greta Hauer
12 / 10 / 2012 // von LigaStudios Guest
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11 / 10 / 2012











levitraviolImamlem sagt
23. März 2013 um 20:03
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