Frieze Art London – Kunstmesse der Superlative
In einem Zelt im Londoner Regent’s Park tummelten sich letztes Wochenende Künstler, Sammler, Galeristen und Kuratoren. 175 Galerien stellten bei der Frieze Art Fair die zurzeit gefragtesten Künstler aus und zeigten mal wieder, dass die zeitgenössiche Kunst mehr denn je boomt.
Selbst Freitagnachmittag – nach Preview und Eröffnung, und noch vor dem Wochenende – war die Frieze Art Fair bestens besucht. Kaum ein Galerist oder eine Gallerina standen alleine in ihren Ständen. Frauen mit roten Lippen und High Heels, Männer in großkarierten Sakkos und Woody-Allen-Brille schlenderten durch das riesige Zelt der Messe. Für die Galerien ist die Frieze in London einer der wichtigsten Termine im Kunstjahr. Die vertretenen Galerien werden sorgfältig aus einer langen Liste ausgewählt und das so kreierte Renommee der Messe lockt Sammler und Händler aus der ganzen Welt. Wer hier ausstellen darf, macht mit Sicherheit kein schlechtes Geschäft.So wurde auch dieses Jahr verkündet, dass – mal wieder trotz weltweiter Wirtschaftskrise – überraschend gut verkauft wurde. 175 Galerien aus 35 Ländern, fünf Tage, 55.000 Besucher, Milliarden Dollar. Ein Schneewittchen-Kopf von US-Künstler Paul McCarthy wurde von der in Zürich und London sitzenden Galerie Hauser & Wirth nur wenige Minuten nach der Eröffnung für 1,3 Millionen Dollar verkauft. White Cube verkaufte eine Arbeit von Damien Hirst für 500.000 britische Pfund und Sprueth/Magers (Berlin und London) konnte die Installation „Blast“ von Jenny Holzer für 525.000 Dollar an den Mann bringen. Selbst die gesondert eingeladenen sehr jungen Galerien (nicht älter als zehn,bzw. sechs Jahre) berichteten von sehr guten Verkäufen.
Aber auch für die weniger kaufkräftige Klientel ist die Frieze jedes Jahr ein wichtiges Event: Hier sieht man, welche Künstler gerade besonders gehyped sind (viele der Künstler hatten gerade oderhaben danach eine größere Ausstellung), was auf dem Markt gut ankommt und wie sich einige Künstler weiterentwickeln. Denn neben jüngeren, aufsteigenden Künstlern ist natürlich auch das Who is Who der Kunst vertreten: Yayoi Kusama, George Condo, Anish Kapoor, Cindy Sherman, Gerhard Richter, Wolfgang Tillmans,... die Liste kann endlos weitergeführt werden. Dieses Jahr wurden aber vorallem auch die jüngeren Galerien durch eigene Abteilungen in den Vordergrund gerückt. In der Sparte Focus stellen nur Galerien aus, die nach 2001 gegründet wurden. Hier wurde der Schwerpunkt auf Einzelpräsentationen gelegt. Unter Frame wurden die Galerien, die nicht älter als sechs Jahre sind, gesammelt, und gelten allein durch diesen Auftritt nun für sehr beobachtenswert.
Und als wäre das alles nicht schon genug, gab es zu dem zehnjährigen Jubiläum der Messe dieses Jahr das erste Mal auch die Frieze Masters: eine weitere Messe-Plattform, die einen Bogen von der zeitgenössischen zur historischen Kunst spannen will und damit auch die Nachfrage nach der älteren Kunst auffangen möchte. Der Schwerpunkt lag hier zwar auch eher auf der Moderne und Avantgarde, aber auch wertvolle Stücke der Antike wurden (erfolgreich) angeboten.
Für das nächste Jahr sollte man sich die Frieze auf jeden Fall schon mal im Kalender markieren. Denn zu dem Eröffnungswochenende der Messe spielt in London stets die gesamte Kunstlandschaft mit: Museen eröffnen ihre neuen Blockbuster-Ausstellungen, die Auktionshäuser zelebrieren ihre Rekord-Auktionen und die Galerien locken mit Openings und Artist Talks. Und für diejenigen, die sich von den fünf- bis sechstelligen Preisen deprimieren lassen: Die Buchhandlung Walther König ist auch jedes Jahr auf der Frieze vertreten und in vielen Fällen auch die bessere Investition.
26 / 10 / 2012 // von Dana Weschke











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