Imperium - Eine deutsche Südseeballade
August Engelhardt heißt der idealistische Held in Christian Krachts neuem Roman. Und Christian Kracht ist nicht August Engelhardt sondern der interessanteste deutschsprachige Autor der Gegenwart.
Mein kleiner Bruder und ich fragen uns ab und zu, wenn wir zusammen kochen, was denn das Lebensmittel unserer Wahl wäre, müssten wir uns für eines ganz exklusiv entscheiden, und also auf alles andere zukünftig verzichten. Philipp, mein kleiner Bruder, tendiert meistens zur Kartoffel. Ich selbst liebäugele in fast allen Fällen zwar nicht mit der so typisch deutschen Knolle, jedoch ebenso mit einem Familienmitglied der Nachtschattengewächse: meine Lebensmittekönigin ist die Tomate.
In Christian Krachts neuem und bereits vierten Roman "Imperium" aber verzichtet der Protagonist nicht nur hypothetisch auf kulinarische Diversität – und das sogar freiwillig: August Engelhardt heißt der junge Utopist, der im noch jungfräulichen 20. Jahrhundert Deutschland den Rücken kehrt, um in der Abgeschiedenheit der Südsee seinen Traum zu leben. Einen Orden will er gründen, der rein, nackend und bewusstseingeschärft dem Kokovorismus frönt – und das bedeutet eben, sich ausschließlich von der Kokosnuss und ihrem Saft ernährt. Auf 256 Seiten erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans spielt - fernab von der europäischen Zivilisation. In gewohnt virtuosem und etwas sperrigem Deutsch, versetzt Kracht den Leser in eine längst vergangene Zeit und lässt seinen oft etwas unbeholfen wirkenden Helden ein großes Abendteuer erleben, während dieser sich, noch bevor ich es überhaupt bemerkt hätte, ein gemütliches Plätzchen in meinem Herzen ausstaffiert. Was zu sagen bleibt ist schlicht: Es muss gelesen werden!
Foto: Christian Kracht
Ihr solltet Imperium lesen, denn es ist unterhaltsam und macht wirklich Spaß. Und nicht zuletzt solltet ihr es vielleicht ein wenig auch lesen, um die durch Spiegelkolumnist Georg Diez ausgelöst hitzige Debatte zu durchblicken, deretwegen Kracht leider sämtliche Termine seiner Lesereise in Deutschland absagte. Vielleicht könnt ihr dann in der nächsten Mittagspause, im Büro, der Agentur oder der Mensa auch einen schlauen Beitrag dazu absondern – und in den meisten aller Fälle werdet ihr erstaunlicherweise die oder der Einzige im Kreise sein, der den Roman überhaupt gelesen hat.
02 / 04 / 2012 // von Maike Mueller











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