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Art Weekender München

An diesem Wochenende dreht sich die Münchner Kunstszene: Die Galerien eröffnen ihre neuen Ausstellungen und versorgen uns mit Veranstaltungen rund um die zeitgenössische Kunst. Wir haben uns vier Ausstellungen herausgepickt, die wir euch wärmstens ans Herz legen möchten:

Art Weekender München

Das dritte  Kunstwochenende versammelt auch dieses Mal fast alle Münchner Galerien mit neuen Eröffnungen, und lockt auch bei trübem Wetter das kunstinteressierte Publikum in die Showrooms. Künstlergespräche, Katalogpräsentationen und Performances werden über die drei Tage geboten. Heute stellen wir euch hier vier Galerieausstellungen vor, bevor es dann morgen mit den Museumsausstellungen weiter geht. 

 

Nusser & Baumgart

Die Galerie  Nusser & Baumgart in der Schwabinger Steinheilstraße eröffnete am Freitag gleich mit zwei neuen Ausstellungen. Ein Raum der Galerie wird von dem Künstlerduo Winter/Hörbelt bespielt: Mit herkömmlichen Bornell-Federkernkissen transformierten die beiden den Ausstellungsraum in eine große Installation. Der Besucher ist eingeladen, die entstandenen Zellen zu betreten und die Federn durch Schwingungen in Bewegung zu setzen. Fast der ganze Raum ist miteinander verbunden und je mehr Besucher sich durch das Labyrinth trauen, desto größer werden die Effekte. Das Material schwingt, die Bewegung geht in den Körper über und die Muster verschwimmen vor den eigenen Augen. Winter/Hörbelt wurden schon in den 90-er Jahren mit Rauminstallationen bekannt: Mit so genannten Kastenhäusern schufen sie – meist im öffentlichen Kontext – neue Räume, die aus leeren Wasserkästen bestehen. Durch die Anhäufung von eigentlich alltäglichem Material wie Federkernkissen oder Wasserkästen, wird die Aufmerksamkeit auf die Dinge, die uns jeden Tag umgeben, gelenkt.

 

FT_Nusser&Baumgart_Winter_Hoerbelt_VG_Bild-Kunst

Credit: Winter/Hörbelt, VG Bild-Kunst Bonn, 2012, courtesy Nusser&Baumgart, München

 

Im zweiten Ausstellungsraum, dem so genannten Spotlight, zeigt der Fotograf  Thomas Weinberger eine Installation von 99 Sonnenuntergängen. Die Hängung erinnert an die konzeptionellen Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, die durch ihre Serien von Industriedenkmälern berühmt wurden. Ähnlich wie die Bechers nutzt Weinberger das Mittel der Akkumulation, um auf einen größeren Kontext des Motivs aufmerksam zu machen: Ein einzelner Sonnenuntergang ist der Inbegriff der Schönheit. Es ist ein beliebtes Postkartenmotiv und wird auch immer wieder als ein besonders romantischer Moment gefeiert. Es gibt kaum einen Menschen, der bei einem Sonnenuntergang nicht innehält und den Anblick genießt. Doch wieso ist dieser Sonnenuntergang scheinbar einhellig etwas „schönes“? Wieso ist es genau der Untergang und nicht die am Himmel stehende Sonne? Was macht den Unterschied aus? Weinberger untersucht die Kriterien und Aspekte, wie wir Schönheit wahrnehmen und fordert gleichzeitig eine Diskussion um die Aufgabe des Fotografen heraus: Darf ein Fotograf einfach etwas Schönes zeigen? Wo liegen die Grenzen zu Kitsch und Inhaltslosigkeit?

 

 

FT_Nusser&Baumgart_Thomas_Weinberger_VG_Bild-Kunst.

Credit: Thomas Weinberger, VG Bild-Kunst Bonn, 2012, courtesy Nusser&Baumgart, München

 

Galerie f5,6

 Die auf  Fotografie spezialisierte Galerie f5,6 in der Ludwigsstraße zeigt zum Kunstwochenende den amerikanischen Fotografen  Andrew Moore . Dessen besonderes Interessensgebiet sind die Schnittpunkte der Geschichte. Moore versucht dem Faden der Geschichte zu folgen und ihn sichtbar zu machen. Gerade in der Architektur werden solche Spuren deutlich und verweisen auch auf die kulturellen Einflüsse. Gerade die US-amerikanische Stadt Detroit ist ein beliebtes Motiv in dieser Untersuchung. Moore zeigt in seinen großen Farbfotografien die Vergangenheit der Stadt und weist auf deren rasch voranschreitendes Zerfallen hin. Auch in anderen Städten der Westküste findet Moore solche Umstände vor und zeigt damit in der Ausstellung „New American Work“ ein verbreitetes Phänomen von Großstädten. Die Aufnahmen zeugen von einer großen Geschichtsträchtigkeit und deuten für den Betrachter ebendiese Schnittpunkte zwischen Geschichte, Zeit und Kultur an.

 

FT_Moore, Andrew Peacock Alley, Detroit 2008

Credit: Andrew Moore 2008

 

Moore, Andrew Organ Screen, Detroit 2008

Credit: Andrew Moore 2008

 

Walter Storms

Die  Walter Storms Galerie stellt in ihrer Ausstellung „Licht“ Arbeiten des jungen, in Berlin lebenden Kanadiers  Shannon Finley gegenüber von Arbeiten des 2009 verstorbenen Malers Ruprecht Geiger. Beide Maler beschäftigen sich mit der abstrakten Malerei. Inhaltlich steht die Farbe selbst und damit kreierte Phänomene im Mittelpunkt. Vor allem die Wirkung des Lichts wird durch die Gegenüberstellung thematisiert. Finleys Bilder entstehen in einem langen Prozess, in dem er Schicht um Schicht an durchscheinender Farbe aufträgt und damit geometrische Formen erzeugt, die fast einen 3-D-Effekt erhalten. Geiger ging fast monochrom vor, trug die Farben in größeren Flächen auf und konzentrierte sich auf deren fluoreszierenden Qualität. Finleys Bilder erinnern an ein Kaleidoskop, das den Prozess des Entstehens sichtbar macht. Die Oberfläche wurde lange bearbeitet, er benutzt dabei spezielle Spachtelmesser, mit denen er seine quaderförmigen Felder aufträgt. Bei einigen seiner Arbeiten weicht das abstrakte langsam dem gegenständlichen und Assoziationen zu religiösen Formen bis hin zu Architekturen werden geweckt. 

 

WS1_S. Finley Untitled 2012

Credit: Shannon Finley 2012

 

FT_WS

Credit: Walter Storms Galerie

 

Andreas Grimm Galerie

Cornelius Völker ist in der Museumslandschaft gut vertreten und hat nun schon seine sechste Ausstellung in der Galerie Andreas Grimm . Der Maler untersucht in seinen Arbeiten das Alltägliche, das Banale und verschiebt sie in seinen großformatigen Werken vom Beiläufigen in den künstlerischen Fokus. Völker scheint bei seinen Bilder oft den Spuren der Gesellschaft zu folgen: Zurückgelassene Notizzettel und aufgeblätterte Zeitungen deuten zwar auf Personen hin, es ist aber niemand zu sehen. Damit besitzen seine Bilder eine merkwürdige Spannung einer unsichtbaren Person oder fordern zum  spekulieren auf, in welchem Kontext die Motive wohl stehen. Der Maler bezieht sich damit auch auf die klassischen Stillleben der historischen Kunst und transferiert dieses Genre in die Gegenwart. Seine Motive und das Weglassen von Protz und Ausschmückung setzen ein Statement zur modernen Gesellschaft.

 

FT_ANdreas Grimm_Cornelius Voelker

Credit: Cornelius Völker, VG Bild-Kunst Bonn, 2012

 

 

Art Weekend München

Vom 26.–28. Oktober

27 / 10 / 2012 // von Dana Weschke

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1 Kommentar

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Gattò

17 / 06 / 2013

Gattò

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