Art Weekender München - Teil 2
Nachdem wir euch gestern über Galerie-Ausstellungen informiert haben, sind heute die großen Museen dran!
Im Museum Brandhorst wird eine neue Serie von Hiroshi Sugimotos beeindruckenden Schwarz/Weiß-Fotografien ausgestellt und das Haus der Kunst zeigt mit “Ends of the Earth” die erste große Museumsausstellung über Land Art!
Haus der Kunst – „Ends of the Earth“
Die Land Art ist eine Kunstbewegung, die in den 1960-er Jahren entstand. Die Ursprünge sind in der Hippie- und Umweltbewegung zu suchen und die damit behafteten Klischees verhinderten, dass die Land Art in die Museen einziehen durfte. Das Haus der Kunst in Zusammenarbeit mit dem MOCA in Los Angeles ändert diesen Umstand und zeigt nicht nur eine erste Ausstellung über die Land Art überhaupt, sondern bietet damit auch eine der spannendsten Ausstellungen, die es gerade in München zu sehen gibt. Anfang der 60-Jahre begannen Künstler weltweit, sich mit der Erde und dem Planeten als Medien für Kunst zu arbeiten. Yves Klein zum Beispiel fragte sich, wie die Erde wohl aus dem Weltall aussehe und stellte sich den Planeten in seinem „International Klein Blue“ vor. Daraus entstanden dann seine Serie „Planetory Reliefs“. Besonders abgelegene Orte wie z.B. Wüsten waren für viele Künstler eine große Faszination: Hreinn Fridfinnsson konstruierte ein Haus auf einem unbewohnbaren Lavafeld in der Nähe von Reykjavik. Innen war es aus Wellblech und außen tapeziert. Denn da Tapeten das Auge erfreuen sollen, sei es "vernünftig, sie außen anzubringen, wo mehr Leute sie genießen können." Besonders einflussreich für die Bewegung der Land Art waren enge Beziehungen zu Fernsehen und Magazinen.
Legendär ist Gerry Schums "Fernsehgalerie", der ersten für das Fernsehen geschaffenen Ausstellung. Im Oktober 1969 unterbrach der WDR acht Tage lang jeweils um 20.15 und 21.15 Uhr das reguläre Programm und zeigte eine der acht Fotografien der „Selbst-Beerdigung" von Künstler Keith Arnatt. Hintereinander betrachtet zeigen die Bilder, wie Arnatt schrittweise im Boden versinkt. Der Sender verzichtete darauf, dies durch eine Einführung oder einen Kommentar zu begleiten.
Credit: HdK-Fridfinsson_Moderna Museet, Stockholm
Die Ausstellung im Haus der Kunst macht sichtbar, wie Künstler an den verschiedensten Orten der Welt verstärkt den Wunsch spürten, das Land in Anspruch zu nehmen und mit der Erde zu arbeiten. In einem elementaren Sinn schloss dies die Auseinandersetzung mit der Beschaffenheit der Erde als Planet mit ein. Wenn man bei seinem Besuch ein bisschen Glück hat, sieht man auch das Schwein von Helen Mayer Harrison und Newton Harrison, das von Zeit zu Zeit in der Ausstellung grasen darf.
Credit: HdK_Harrison_© Maximilian Geuter
Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1
80538 München
Museum Brandhorst – Hiroshi Sugimoto
Mit „Revolution“ zeigt das Museum Brandhorst in München eine neue Serie des japanischen Fotografen Hiroshi Sugimoto. Seine Arbeiten bestehen fast immer aus über mehrere Jahre hinweg entwickelten Serien, die sich um ein Motiv drehen. Immer in Schwarz-Weiß, fasst der Fotograf formal stark reduzierte Denkbilder zusammen. „Mein Anliegen war es“, so der Künstler 2002, „mit den Mitteln der Fotografie eine uralte Stufe der menschlichen Erinnerung sichtbar zu machen. Ob individuelle oder kulturelle Erinnerung der Menschheit insgesamt: Es geht darum, in die Vergangenheit zurückzugehen und sich zu erinnern, woher wir kommen und wie wir entstanden sind.“ In seinen Bildern, die aufgrund ihrer Schönheit und Gewaltigkeit nachhaltig beeindrucken, verschränken sich japanische Traditionen mit westlichen Vorstellungen, Raum mit Zeit, Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Wissenschaft, und Imagination mit Realität.
Die neue Serie, die nun im Museum Brandhorst ausgestellt wird, hat den Titel „Revolution“ und zeigt nächtliche Meereslandschaften in denen nur das Meer, der Himmel und der Mond zu sehen sind. Durch Drehung um 90° im Uhrzeigersinn werden aus Horizonten vertikale Linien. Technisch gesehen handelt es sich bei den Arbeiten zweifellos um Fotografien, aber wahrgenommen und verstanden werden sie in erster Linie als Bilder, die man eher einer malerischen oder konzeptuellen Sphäre zurechnen möchte.
Museum Brandhorst
Theresienstraße 35 a
80333 München
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