Junge Deutsche Literatur
Gerade erst ging die Buchmesse in Frankfurt zu Ende und auch wir wollen uns einmal mehr der Literatur widmen. Ausgewählt haben wir zwei junge deutschsprachige Autoren, die nicht nur vielversprechend sind, sondern schon jetzt beeindruckende Werke geschaffen haben. Den Anfang macht Olga Grjasnowa!
Der Russe ist einer, der Birken liebt lautet der Titel Olga Grjasnowas bemerkenswerten Debütromans. Darin führt uns die in Baku in Aserbaidschan geborene, im russischen Kaukasus aufgewachsene, und dann mit 12 Jahren nach Deutschland gekommene Autorin in eine autobiographisch inspirierte, aber doch weit darüber hinausgehende Welt einer Anfang-20-jährigen Mascha. Die ist hochambitioniert, studiert diverse Sprachen und will bald unbedingt Dolmetscherin für die UNO sein. Dass sie das schaffen wird, daran zweifelt Mascha nicht – und auch der Leser kann ihr hier nicht wiedersprechen: Zu ehrgeizig, zu diszipliniert, zu zielstrebig wird die junge Mascha von der jungen Olga Grjasnowa gezeichnet, als dass man sich auch nur einen Grund für ihr Scheitern ausmalen könnte. Am Anfang des Romans wohnt Mascha noch in Frankfurt – der Stadt, in die sie mit ihrer Familie aus Aserbaidschan geflüchtet ist. Sie ist Jüdin, nicht besonders gläubig, ihre Eltern auch nicht, aber was macht das schon. Ihr Freund ist der blonde Elias, Deutscher. Einfacher als ihre war seine Kindheit aber wohl nicht. Cem, der Türke ist Maschas bester Freund. Er ist Muslim, naja, so sehr eben wie Mascha Jüdin. Und dann ist da noch Maschas Exfreund Sami, Ägypter, aber der wohnt eigentlich seit einem Jahr in Amerika, wenn das doch nur etwas einfacher wäre mit dem Visum, dann wäre er auch gar nicht zurück gekommen nach Deutschland.
Irgendwie scheint es hier schon kompliziert zu werden, aber für Mascha wird es noch um einiges komplizierter und vor allem schrecklicher, als plötzlich ihr Freund Elias stirbt. Das gravierende Ereignis steht ganz am Anfang der eigentlichen Geschichte – Nun nämlich entfaltet Olga Grjasnowa eine hoffnungslose Flucht, eine verzweifelte Odyssee, am Ende vielleicht nur noch eine Suche nach tröstender Ruhe, die Mascha schließlich nach Tel Aviv bringt. Aber auch hier wird sie nicht nur von Erinnerungen an Elias, sondern auch von einem lange verdrängten Kriegstrauma immer wieder eingeholt werden...! Drei Jahre hat die 27-jährige Olga Grjasnowa an ihrem Debütroman gearbeitet – jeder Tag hat sich gelohnt. Wir sind hoch begeistert.
Olga Grjasnowa. Der Russe ist einer, der Birken liebt.
Erschienen im Hanser Verlag, München 2012.
17 / 10 / 2012 // von Maike Mueller
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levitraviolImamlem sagt
20. März 2013 um 00:03
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