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The Shuttered Society

Geschlossene Gesellschaft – die Berlinische Galerie zeigt die erste umfassende Ausstellung zu Fotografischer Kunst in der DDR 1949-1989

The Shuttered Society

Gestern Abend wurde in der Berlinischen Galerie in Berlin-Kreuzberg die erste Ausstellung eröffnet, die sich thematisch ausschließlich der Fotografie in der DDR widmet. Gezeigt werden über 250 ausgewählte Bilder von 34 Fotografen. Den Kuratoren besonders am Herzen liegt dabei, dass die Ausstellung nicht als die in Bildern erzählte Geschichte einer vergangenen DDR verstanden werden soll. Ihre explizite Intention ist vielmehr einer bisher vernachlässigten, in der DDR aber sehr wohl statt habenden, fotografischen Kunst erstmalig eine öffentliche Plattform zubieten.

 

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Auch erstmals wird dabei angesichts der schieren Masse an fotografischem Material die gesamte Ausstellungsfläche des Erdgeschosses der Berlinischen Galerie gleichzeitig bespielt. Geordnet und geteilt wurde aber dennoch – drei Hauptströmungen hat die Kuration ausgemacht. Angefangen wird unter dem Titel „Realität-Engagement-Kritik“ bei den frühen, „realistischen“, also die soziale Wirklichkeit ins Auge fassenden Arbeiten, die den größten Teil der in der DDR entstandenen Werke ausmacht, da zu offensichtlich künstlerische Arbeitsweisen schnell unter Formalismus verdacht gerieten, und schlicht verboten wurden. Dass die Bilder dennoch kritisches Potential bergen, liegt an ihrem dokumentarischen Charakter, der im eigendynamischen Medium der Kunst, das immer multiple Bedeutungsoptionen bereit hält, immer auch als Kritik verstanden werden kann: Die künstlerische Darstellung einer Sache, einer Situation, oder gar eines Menschen ist immer mehr, als reine Abbildung von etwas. Sie zeigt nicht nur, was ist, sondern gleichzeitig subtil auch, was nicht ist. Im Negativ des Bildes schlummert das mögliche Andere – alles, das sein könnte.Gerade dadurch sperrt sich Kunst letztlich jeder Zensur. Bei der Überlegung eines Bildbetrachters, warum denn das Bild gerade das zeigt, was es zeigt, warum gerade das Abgebildete existiert und nicht etwas ganz Anderes, steht er schon mitten in der Kritik. Kein Staat, und auch keine geschlossene Gesellschaft können das verhindern.

 

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Das zweite Themenkapitel der Ausstellung lautet „Montage-Experiment-Form“ und zeigt, wie mit dem Beginn der 70er Jahre die Arbeitsweise der Photographen experimenteller wurden, wie sie anfingen sich in die Motivik und das photographische Ergebnis einzumischen. Dadurch brachten sie nicht nur Kunst als Prozess ins Bewusstsein, sondern machten auch sich selbst als Künstler, der bewusst produziert, der auswählt, weglässt, erweitert und verfremdet zum Thema. Beeindruckend verdeutlichen das zum Beispiel die großflächigen Portraits von Lutz Dammbeck, in denen er Gesichtsteile unterschiedlicher Menschen durch grobe Vernähung neuzusammensetzte, und so den Eindruck vernarbter Antlitze schafft, die nicht nur ästhetisch erschrecken.

 

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Im dritten Teil „Medium-Subjekt-Reflexion“ finden sich Arbeiten der „Jungen Wilden“ versammelt,die zum Ende der DDR-Ära entstanden, und das wachsende Misstrauen gegen Systemund Staat, aber auch die gefühlte Ohnmacht des Einzelnen außergewöhnlich kraftvoll und überraschend explizit zum Ausdruck bringen. Fast wie eine Karikatur dieses Gefühls nimmt sich dabei das eindrucksvolle Bild „Im Kino“ von Matthias Leupold aus. Auf den ersten Blick erscheint es gleich formal sehr gelungen, ästhetisch hochinteressant – vor allem aber superwitzig! Im Kontext der Ausstellung aber schleicht sich schnell noch eine weitere Bedeutungsebene in die kontraststarke Schwarz/Weiß-Fotografie. Und die ist vielleicht eher beklemmend, beängstigend, oder vielleicht auch etwas ganz anderes. Weil Kunst das kann, deshalb brauchen wir sie. Hach, Pathos.

 

 

Geschlossene Gesellschaft

Fotografische Kunst in der DDR 1949-1989

zu sehen in der Berlinischen Galerie bis 28. Januar 2013

11 / 10 / 2012 // von Maike Mueller

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2 Kommentare

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