Weekender: Ein Kinderkreuzzug im Hamburger Bahnhof!
Nach dem ersten Kaffee des Tages schwelgen wir heute in Kindheitserinnerungen und werfen einen umfassender Blick auf das Oeuvre Martin Honerts.
Ganz in Freud’scher Manier ist das Thema Kindheit zentraler Ausgangspunkt für Schaffen und Werk des deutschen Skulptur- und Installationskünstlers Martin Honert. Das bedeutet im Fall des an der Düsseldorfer Kunstakademie studierten Künstlers aber nicht etwa, dass er sich auf abstrakte Weise mit dem Topos einer aufkeimenden Adoleszenz auseinandersetzt, sondern vielmehr, dass er konkrete, nämlich eigene, persönlicheKindheitserinnerungen in künstlerischem Werk verarbeitet. Der Hamburger Bahnhof in Berlin macht nun erstmals eine umfassende Werkschau des international renommierten Künstlers möglich.
Geboren wurde Martin Honert 1953 in Bottrop, mittenhinein in Westdeutschland, in eine junge BRD, in wirtschaftswunderliche Nachkriegsjubeljahre – und auch wenn die Kindheitserlebnisse, die er in seinem Oeuvre aufgreift zunächst individuell und privat sind, gleichzeitig sind sie doch auch Zeitzeugen dieser Ära. Hinter jedem der dreidimensionalen, und sehr aufwändig hergestellten Einzelwerken steht eine solche private Kindheitsanekdote des Künstlers, oft gerade deshalb in Erinnerung geblieben, weil er noch heute mit emotionaler Unsicherheit auf sie zurück blickt: Es sind changierende Momentaufnahmen, ambivalent, weder kindlich-perfektes Glück, noch kindlich-schreckliche Trauer. Skandalöse Extreme, die sich von selbst einordnen, und damit auch dem Betrachter alle Freiheiten nehmen, interessieren den Künstler nicht – weder das missbraucht und geschlagene, noch das endlos geliebte Kind kommt in seinen Werken vor. „Meine Kindheit war bestimmt genauso fade und langweilig wie alle Kindheiten.“ sagt Martin Honert selbst dazu. Mag sein, seine Kunst im Hamburger Bahnhof ist es allerdings mit sehr großer Sicherheit nicht.
Martin Honert. Kinderkreuzzug.
Zu sehen im Hamburger Bahnhof in Berlin bis 07. April 2013
14 / 10 / 2012 // von Maike Mueller
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