AUGEN AUF!
 100 JAHRE LEICA FOTOGRAFIE

Unsere Lieblingskamera feiert 100jährigen Geburtstag! Diese Gelegenheit möchten wir nutzen und euch heute gerne die Geschichte ihrer Entstehung erzählen.

AUGEN AUF!
 100 JAHRE LEICA FOTOGRAFIE

Angefangen hat alles mit dem damals 31jährigen Oskar Barnack, der im Jahr 1911 eine Stelle als Feinmechaniker bei den Optischen Werken Ernst Leitz, Wetzlar angenommen hat. Zu dieser Zeit produzierte das Unternehmen vor allem Mikroskope und Ferngläser. In seiner Freizeit war Barnack inbrünstiger Wanderer und Hobbyfotograf. Da ihn sein Asthma allerdings daran hinderte, so oft zum Fotografieren rauszugehen, wie er gerne wollte – die bis dahin gebräuchlichen Platten- und Rollfilmkameras waren für ihn zu schwer, zu groß und zu unhandlich – hatte er es sich zum Ziel gesetzt, eine leichte, kleine Kamera zu entwickeln, die ausgewählte Motive erstmalig auf einen handlichen 35-Millimeter-Kinofilm bannen konnte. Einfacher gesagt als getan – bisher waren andere Tüftler an genau diesem Vorhaben gescheitert.

 

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Credit: Ilse Bing 1931, Leica Camera AG

 

Wie sich herausstellte war die Lösung des Problems, allerdings gar nicht so schwer, wie anfangs gedacht. Der entscheidende Trick, der Barnack zum Erfolg verhalf, war folgender: In seiner Liliput-Kamera bewegte sich der Film horizontal. In den gebräuchlichen Kinokameras wurde der Film stattdessen senkrecht geführt. Auf diese Weise vergrößerte der Feinmechaniker das Negativformat auf 24 mal 36 Millimeter - und konnte damit qualitativ befriedigende Fotos im Format 2:3 erstellen. "Mikro Liliputkamera mit Kinofilm fertig", notierte er im März 1914.

 

Der Beginn des Ersten Weltkriegs im August 1914 hatte die weitere Entwicklung gestoppt. Erst 10 Jahre später, im Juni 1924, rief der Unternehmer Ernst Leitz seine wichtigsten Mitarbeiter zusammen um Markteinführung der weiter entwickelten Liliput-Kamera zu planen. 1925 war es dann soweit, die erste Kleinbildkamera ging in Produktion. Der Name "Liliput" war zu diesem Zeitpunkt zwar bereits an ein Konkurrenzprodukt vergeben, doch auch ein neuer Name war bald gefunden: Leica, ein Wortspiel aus Leitz und Camera.

 

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Credit: Leica Werbung aus dem Jahr 1926 vom Unternehmen Leitz

 

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Kameras brachte sie zahlreiche Vorteile mit sich: Mit ihrem kleinen Format und einem Gewicht von etwas über 400 Gramm passte sie bequem in die Tasche. Zudem ließen sich mit ihr aufgrund der kurzen Verschlusszeit spontan Fotos aus jeder Perspektive machen. 36 Bilder passten auf einen Film. Mit der Einführung der Kleinbildkamera wurde Fotografieren auch erschwinglicher: Film war preisgünstig, und so konnten Profis und Amateure mit der Leica experimentieren. Der vergleichsweise billige Kleinbildfilm stimulierte das fotografische Experiment. Neue Perspektiven wurden erprobt. Insgesamt gestaltete sich der visuelle Zugriff auf die Welt innovativer, mutiger, dynamischer.

 

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Credit: Ur-Leica von 1914, Leica Camera AG

 

Seither entstanden einige der berühmtesten Aufnahmen der Fotografie-Geschichte. So hielt zum Beispiel der Fotoreporter Alfred Eisenstaedt mit seinem Bild den unvergesslichen Augenblick fest, als Japan gerade kapituliert hatte und ein amerikanischer Matrose in New York herzhaft eine Krankenschwester küsste. Auch der Revolutionär Che Guevera wurde mit dem Leica-Schnappschuss von Alberto Korda berühmt – ebenso wie unzählige Aufnahmen aus der Welt des Alltags und der Mode.

 

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Credit: Alfred Eisenstaedt 1945, Leica Camera AG // Modereportage von F. C. Gundlach, Leica Camera AG

 

Zum hundertsten Geburtstag der Ur-Leica ehren die Hamburger Deichtorhallen in der Ausstellung "Augen auf! 100 Jahre Leica" die Entwicklung der Kleinbildfotografie. Die noch bis Januar 2015 gezeigte Ausstellung richtet sich hauptsächlich auf die visuelle Revolution, die durch die technische Innovation der Leica ausgelöst wurde.

 

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Credit: by Fred Herzog, 1968 in Vancouver

 

Die Ausstellung umfasst rund 550 Werke von über 140 Künstlern, darunter Alexander Rodtschenko, Henri Cartier-Bresson, Robert Capa und Christer Strömholm, aber auch Aufnahmen von Amateuren und unbekannten Fotografen. Eindrucksvolle Fotografien, Zeitschriften, Magazine, Bücher, Werbemittel, Broschüren, Kameraprototypen und Filme rekapitulieren die Geschichte der Kleinbildfotografie von den Anfängen bis heute.

 

Wir können euch einen Besuch in den Deichtorhallen auf jeden Fall wärmstens empfehlen – egal ob Foto-Fan oder nicht, hier gibt’s für jeden was spannendes zu entdecken! Wem Hamburg zu weit weg ist, der darf beruhigt sein: nach der Premiere im Norden zieht die Ausstellung weiter nach Frankfurt, Berlin, Wien und München.

 

AUGEN AUF!
 100 JAHRE LEICA FOTOGRAFIE
Von 24. Oktober 2014 bis 11. Januar 2015

im Haus der Photographie

Deichtorstraße 1

20095 Hamburg

 

 

- By Ciara Hanson

30 / 10 / 2014 // by LigaStudios Team

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