„Schön, natürlich, fair“
Die Münchnerin Anna Schweisfurth, 28, hat nach einer Schneiderlehre und der Meisterschule für Mode in München 2010 ihr Label YUBI gegründet. Seitdem entwirft sie Alltagsmode, Braut- und Abendkleider und näht sie zu einem Großteil selbst aus ökologischen Stoffen.
Anna, was bedeutet der Name deines Labels, YUBI?
YUBI kommt aus dem Japanischen und bedeutet Anmut, Grazie, Eleganz.
Wie würdest du deine Mode beschreiben?
Mein Sortiment umfasst eine Kollektion mit Alltagsmode, Basic-Shirts, Jeans, Mänteln und Jacken, außerdem fertige ich maßgeschneiderte Braut- und Abendkleider an. Mein Stil ist klassisch, aber modisch. Wichtig ist mir das langlebige Design. Meine Jeans haben zum Beispiel keine Waschungen, nach jahrelangem Tragen sollen sie von selbst entstehen.
Du hast nach dem Abitur eine Schneiderlehre gemacht. Inwiefern beeinflusst das deine Arbeit heute?
Die handwerkliche Ausbildung ist der Grundstein meiner Arbeit. Ich bin Schneiderin und verbringe selbst noch viel Zeit hinter der Nähmaschine. Aber handwerkliches Können ist nicht alles, ich bin auch Unternehmerin und mache meine Buchhaltung, die Korrespondenz mit Kunden, Lieferanten, Boutiquen und der Presse zum Großteil selbst. Diese Vielseitigkeit mag ich sehr.
Credit: Yubi
Das Motto deines Labels lautet „schön. natürlich. fair.“ Was bedeutet das konkret?
Bei mir finden die Kunden in erster Linie schöne Mode. Die Qualitätsmerkmale „natürlich“ und „fair“ sind für mich nicht wegzudenken.
Welche Materialien verwendest du?
Ich verwende Baumwolle, Wolle und Seide aus GOTS-zertifizierten Bio-Betrieben.
Was hat dich dazu bewegt, dein Label ökologisch und fair auszurichten?
Bei mir zu Hause gab es schon immer nur Bio-Essen, das dazugehörige Bewusstsein wurde mir von meinen Eltern und Großeltern vorgelebt. Ich habe das Konzept auf die Mode übertragen. Ich möchte mit meinem Laden und Atelier einen Beitrag leisten und die Menschen in diesem Bereich aufklären. Mich unabhängig von dieser Lebenseinstellung selbstständig zu machen kam für mich nicht in Frage.
Gehst du dann noch in Läden wie H&M und Zara?
Nein. Ich weiß inzwischen einfach zu viel. Ich kann dieses Wissen nicht mehr ausblenden, schon den Geruch in diesen Läden kann ich nicht ertragen. Und ich weiß, dass jede einzelne Kaufentscheidung enorme Auswirkungen hat. Nachfrage regelt ja bekanntlich das Angebot. Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass weiterhin auf diese Art und Weise Mode produziert und konsumiert wird.
Wo kaufst du ein?
Es gibt inzwischen viele Bio- und Fair-Trade-Modeläden, in München neben Hess Natur auch junge, hippe Läden wie DearGoods, Veganista, den Kleidungsladen, Glore und IKI-M. Einige davon sind auch im Internet vertreten. Online gibt es zum Beispiel Fair Queen und den Avocado-Store. Das Angebot wird von Tag zu Tag größer. Grundsätzlich versuche ich aber, meinen Konsum einzuschränken. Meiner Meinung nach kann man durch eine längere Lebensdauer von Kleidungsstücken am meisten verändern. Und wenn etwas benötigt wird, dann eben Bio und Fair. So hält sich auch die Belastung für unsere Geldbeutel im Rahmen.
Welche Bereiche in deinem Leben richtest du auch ökologisch und fair aus?
Ich gebe mir Mühe, mein gesamtes Leben so auszurichten, dass möglichst wenig Schaden entsteht. Ich kaufe im Bio-Laden ein und versuche, darauf zu achten saisonale und regionale Produkte zu kaufen. Fleisch esse ich selten und nur, wenn ich sicher weiß, wo es herkommt und wie das Tier gelebt hat. Ich beziehe Bio-Strom und fahre fast immer mit den Öffentlichen oder mit dem Fahrrad. In allen Bereichen schränke ich meinen Konsum ein, ich bin niemand, der ein Elektrogerät entsorgt, weil ein neues Modell herausgekommen ist. Und in meiner Wohnung habe ich in erster Linie wunderschöne, alte Möbel.
Credit: Yubi
Du nähst auch viel selbst. Wie und wo werden die anderen Stücke gefertigt?
Ich nähe etwa 60 Prozent meiner Teile selbst, insbesondere die Maßanfertigungen. Teile der Kollektion werden in einem kleinen Münchner Atelier zugearbeitet. Die Basic-Kollektion, die aus feinen Bio-Shirts für jeden Tag besteht, wird in der Türkei in einem GOTS-zertifizierten Unternehmen gefertigt.
Im Dezember hast du dein Atelier in der Stadt eröffnet, vorher hast du in Glonn bei München gearbeitet. Was hat sich seitdem für dich verändert?
Vieles! Ich habe in Glonn gestartet, weil ich mir in der heiklen Anfangsphase nicht die hohen finanziellen Belastungen in der Stadt zumuten wollte. In den vergangenen zweieinhalb Jahren habe ich mir eine Grundlage geschaffen, auf die ich jetzt wunderbar aufbauen kann. Ich genieße es jetzt, in meinem neuen Atelier nahe bei den Kunden zu sein. Ich freue mich jedes Mal, wenn jemand zur Tür herein kommt, auch wenn nicht jeder gleich eine Bio-Jeans in Auftrag gibt. Außerdem kann ich jetzt immer mit dem Fahrrad in die Arbeit fahren oder zu Fuß gehen.
14 / 02 / 2013 // von LigaStudios Team
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