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Stefan & Saskia Diez

Das Münchner Designerpaar prägt die aktuellen Trends in Sachen Möbel sowie Schmuck - und verkörpert gleichzeitig die moderne Familie mit erfolgreichen, selbstständigen Eltern. Wir haben Saskia Diez in ihrem Atelier besucht und finden: Deutschland braucht mehr Diez!

Stefan & Saskia Diez

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Saskia, was hast du denn eigentlich als erstes nach deinem Studium gemacht?

Ich habe relativ lange bei Christian Haas gearbeitet, allerdings schon während dem Studium. Er ist Möbeldesigner, arbeitet aber auch sehr viel im Bereich Tabletop: Porzellan, Glas und auch Lampen. Danach war ich bei Rosenthal und anschliessend bei Konstantin Grcic. Hier habe Ich eher an kleineren Teilen gearbeitet.

 

Wie kam es dann dazu, dass du dein eigenes Studio eröffnet und nur noch Schmuck gemacht hast?

Ursprünglich habe ich ja Goldschmiedin gelernt. Als solche habe ich auch erst einmal gearbeitet, in einem sehr guten Atelier, das in seiner Gestaltung und in vielen Auffassungen sehr dominant ist, sehr stark von der Inhaberin geprägt. Ich hatte das Gefühl, überhaupt keinen Ansatzpunkt zu haben, wie mein eigener Schmuck aussehen könnte. Ausserdem war mir die Schmuckwelt zu eng. Ich habe damals in dem Atelier reinen Unikat-Schmuck gemacht. Das ist etwas sehr besonderes, aber ich hatte einfach keinen eigenen Bezugspunkt dabei, außer dem Handwerk. Und das ist für einen Entwurf nicht unbedingt genug. 

 

Deswegen hast du dann Industriedesign studiert…?

Ja. Als ich an einem Wettbewerb teilnahm, habe ich eher zufällig Schmuck entworfen. Das waren Gewichtarmbänder für Frauen, die aussahen wie Schmuck. Fast genau so habe ich sie jetzt auch in der Kollektion. Damals waren sie nur größer und schwerer. Ich glaube, 500 Gramm haben die gewogen. Wenn man sie trug, war das permanenter Workout, ganz egal, was man macht. Und trotzdem war man dabei geschmückt.

 

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Und dann? 

Ein paar Monate später hatte mein Mann Stefan auf der Möbelmesse in Köln eine große Installation namens „ideal house“. Da gab es ein Badezimmer, in das er meine Armbänder als Dekoration legte. Eine Galerie aus Tokyo und ein Laden aus New York wollten sie daraufhin ordern und in ihr Sortiment aufnehmen. Das war sehr überraschend für mich. Ich habe zugesagt und angefangen, die Teile zu produzieren. Es musste ein Name her, ein Label, eine Verpackung, eine Website, Fotos, Preise... Ich habe gar nicht groß darüber nachgedacht sondern sehr naiv drauf los gearbeitet. Das war eine sehr aufregende Zeit. Und von Anfang an erfolgreich. Diese Blockade war auf einmal weg, und ich kam in einen richtigen Lauf. Ich habe mit meiner Arbeit wohl eine Nische getroffen.

 

Welche Nische war das denn?

Mittlerweile gibt es da schon mehr in dem Bereich, aber als ich angefangen habe, gab es, grob gesagt, entweder Modeschmuck, der versucht Echtes zu imitieren, dann den sehr schnelllebigen, sehr modischen Modeschmuck und dann „echten” Schmuck. Da gab es zum einen ganz klassischen, daneben „Designschmuck” und Autorenschmuck. Ansonsten war da eigentlich nichts. Früher, in den 20er- oder 30er-Jahren gab es eine Kultur für sehr hochwertigen Modeschmuck. Der hat nicht so sehr mit exklusiven Materialien, aber vor allem mit tollen Entwürfen gearbeitet. Ich glaube, dass meine Sachen in so einem Bereich anzusiedeln sind: Hochwertiger Modeschmuck aus echten Materialien. Wobei sich dieses echt-Sein nicht immer unbedingt auf Edelmetalle bezieht, sondern eher auf Authentizität. Bzw. darauf, dass ein Material seiner Natur entsprechend eingesetzt wird. Es geht mir nicht darum Wert zu imitieren, sondern einen eigenen Wert zu erschaffen. 

 

Hattest du gleich ein gutes Gefühl dabei, dich selbstständig zu machen?

Ja, es war für mich das Richtige. Ich hätte ja auch sagen können, ich arbeite bei Stefan mit - Arbeit hätte es genug gegeben. Aber ich wollte gerne etwas Eigenes machen. Für uns beide ist das eigentlich eine optimale Konstellation. Jeder hat seinen Bereich, aber ab und zu können wir auch zusammen an etwas arbeiten. Es würde überhaupt keinen Sinn für mich machen, zu sagen, „hey, jetzt mache ich auch mal einen Stuhl“. Warum auch? Ab und zu gibt es kleine Ausflüge. Wie beispielsweise die Schmuckdose Jewel, die ich für e15 entworfen habe, oder die Taschen mit Stefan. Ich denke, es ist für meine Arbeit und das Label eine schöne Bereicherung, wenn da ab und zu ein kleiner Querschläger dabei ist.

 

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Wie sieht dein gewöhnlicher Tagesablauf?

Im Moment sind wir ein relativ neu aufgestelltes Team. Das heißt, einen großen Teil des Tagesablaufs machen schon noch die Absprachen aus. Das wird aber immer weniger. Meistens ist es so, dass ich mich in der Früh etwa eine Stunde lang der Kommunikation widme. In der täglichen Email-Flut sichte ich, was direkt mich betrifft, und kümmere mich darum. Danach kommt es ein bisschen darauf an, an welchem Zeitpunkt in der Saison wir sind. Im Moment ist es so, dass ich an den Sachen für die neue Kollektion im Herbst arbeite. Die Sachen aus der Produktion müssen geprüft werden und ihre Freigabe bekommen. Da wir gerade mit einem neuen Produzenten arbeiten, fällt da natürlich mehr an, als nur die Formen zu bestellen.

 

Entwirfst du hier unten im Laden?

Unterschiedlich. Diese berühmten Initialzündungen sind sehr oft zufällig. Diese Ideen dann in eine Form zu bringen und Skizzen dazu zu machen, das passiert hier. Vor allem wenn es Teile sind, wo ich Muster aus Material brauche. Skizzen im Skizzenbuch entstehen eigentlich permanent. 

 

Gibt es zu einzelnen Teilen eine spezielle Geschichte, wie du auf deren Form gekommen bist?

Ja, durchaus. Bei den Kristallen war es zum Beispiel so: Es gibt einen Trick von Steinhändlern, wie sie ihre Steine aufwerten. Wenn man beispielsweise einen Strang Saphire kauft, sind sie meistens an blauen Fäden aufgereiht, damit die Farbe noch mehr betont wird. Wenn man den Faden wegnimmt, verlieren sie oft ganz viel an Farbtiefe. Das war der Ausgangspunkt, mit diesem Effekt zu arbeiten. Was es letztlich geworden ist, sind komplett klare Steine mit grauer Seide, die einen Silberglanz dazu gibt. Die Idee zu den Paillettes-Sachen ist mir auf dem Weg zur Kindergrippe gekommen. Mir kam eine Frau entgegen, die von der Sonne so angestrahlt wurde, dass ich im ersten Moment dachte, sie hätte Spiegel an den Ohren. Eigentlich waren es Strasssteine. Also habe ich mit diesem Effekt gearbeitet. Silber ist ein guter Reflektor, das hat man früher auch für Spiegel ausgenutzt. Ich habe mit möglichst dünnen polierten Silberplättchen gearbeitet, damit sehr leichte Teile entstehen, deren Effekt nur auf der Reflexion beruht.

 

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Du bist mit dem Möbeldesigner  Stefan Diez  verheiratet. Redet ihr schon am Frühstückstisch über Design?

Wir reden schon viel über unsere Arbeit. Aber seit unsere älteste Tochter in der Schule ist, ist es in der Früh eher der Wettlauf mit der Uhr, um rechtzeitig fertig zu werden. Es geht unter der Woche also eher darum, was auf die Pausenbrote kommt und was auf den Frühstücksteller. 

 

Ihr wohnt im gleichen Haus, wo du deinen Laden und Stefan im Hinterhof sein Atelier hat. War das Zufall?

Ja, eigentlich schon. Ich hatte vorher bei Stefan im Atelier meinen Arbeitsplatz und habe irgendwann zu ihm gesagt, dass ich von einem eigenen Laden / Atelier träume. Eine Woche später kam der Vermieter und erzählte uns, dass im Vorderhaus der Laden frei würde. Einige Zeit später wurde in dem Haus auch eine Wohnung frei.

 

Tauscht ihr euch viel über eure aktuellen Projekte aus?

Stefans zieht mich immer wieder zu Rate, wenn es um Accessoires geht, Taschen, Beschlägen, oder auch, wenn es bei Möbeln um Details, Textilien oder Farbentscheidungen geht. Wir haben auch die Einrichtung meines Ladens zusammen gemacht. Dennoch haben wir sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, und arbeiten im Entwurfsprozess ganz verschieden. Stefan arbeitet immer im Team. Er hat eine sehr starke Persönlichkeit und kommt auch schon mal mit einer Skizze zu mir. Das ist bei mir ganz anders. Ich brauche erst für mich selbst die Sicherheit, dass das gut ist, was ich gerade mache. Ich bin niemand, der sich schon im Entwurfsprozess jemandem anderen öffnet. Das bringt mich durcheinander. Da ticken wir ganz unterschiedlich. Aber klar, er bekommt trotzdem alles mit, nur eben etwas später.

 

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Ihr seid beide selbstständig und sehr erfolgreich – und habt drei Kinder. Ist da nicht sehr viel Koordination gefragt?

Ja, doch. Aber unsere Kinder machen auch gut mit. Die Große geht schon alleine in die Schule, und ist danach noch im Hort. Die Mittlere ist im Kindergarten, der Kleine ist in der Krippe, wo wir sie abwechselnd hinbringen und ich sie nachmittags abhole. Wenn es so schönes Wetter wie heute ist, dann spielen sie auch noch im Hinterhof. Ich bin dann für sie da, wobei die beiden Mädchen schon sehr selbständig sind.

 

Ist München für euch der ideale Ort?

Es hat Vor- und Nachteile. In München kann man auf jeden Fall gut arbeiten – man ist nicht soviel abgelenkt. Es fordert eine gewisse Disziplin, weil man sich die Stadt sonst nicht leisten kann. München ist auch ein guter Ort zum Wohnen, gerade mit Kindern: sehr sicher und sehr sauber. Man muss sich lange nicht so viele Gedanken machen, wie wir das von Freunden aus anderen Städten und Ländern kennen. Die Kinder gehen alleine in die Schule, das kann man sonst kaum wo machen. Aber im Bezug speziell auf meine Arbeit: Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich auch in München ein Publikum hatte. Am Anfang habe ich sehr viel mehr international verkauft. Dass ich in München bzw. Deutschland auch bekannter wurde, war eher ein Rückkoppelungseffekt des internationalen Erfolgs. München ist prinzipiell keine Stadt, wo die Leute nach dem Ungewöhnlichen suchen, das noch keiner kennt. Deshalb findet man in München auch kaum kleine Labels.

 

Wenn da keine Familie wäre, würdet ihr noch einmal woanders leben wollen?

Ich könnte mir schon vorstellen, zum Beispiel eine Zeit lang in Indien zu wohnen, wir haben sehr enge Freunde dort. Wir haben aber nicht das Gefühl, dass uns hier irgendwas fehlt, wovon wir woanders mehr hätten. Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass wir einfach generell viel unterwegs sind. Wir sind sehr viel an Orten, wo viel los ist. München ist eine Stadt, in die wir sehr gerne zurückkommen. Man muss nur mal bei schönem Wetter an die Isar radeln, gerade mal fünf Minuten, und man liegt am Strand. Besser geht es kaum.

 

Danke, für das Gespräch!

- by Dana Weschke

12 / 07 / 2012 // von LigaStudios Team

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4 Kommentare

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wirklich sehr gelungen, das fesselt einen richtig.

Ein wirklich tolles Interview – das liest man einfach gerne!
Bravo, LigaStudios! Ihr habt Augen für das Schöne.

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